Wie läuft eine epithetische Versorgung ab?

Der Verlust von Gesichtspartien durch Tumorerkrankungen, Unfälle oder angeborene Fehlbildungen ist für Betroffene oft mit einer hohen seelischen Belastung verbunden. Wenn eine medizinisch-ästhetische Rekonstruktion der Gesichtspartien nicht möglich ist oder erst später vorgenommen werden kann, bedeutet eine qualitativ hochwertige Epithese neue Lebensqualität.

Die Indikation für eine Epithese stellt der behandelnde Operateur (HNO-Arzt oder Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg). Ein einschlägig erfahrener Arzt kann einschätzen, wann eine Epithese einer wiederherstellenden Operation ästhetisch oder funktionell überlegen ist.

Eine hochwertige Epithese bietet hier eine ästhetische und funktionelle Rehabilitation, die Ihnen hilft, sich im Alltag wieder sicher zu fühlen. Im Zentrum für Epithetik Ingo Greiner begleiten wir Sie in vierter Generation durch den gesamten Prozess – von der ersten Beratung bis zur langfristigen Nachsorge.


In enger Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt

Ihr Arzt stellt nicht nur die Indikation. Über den gesamten Prozess der Planung und Fertigung einer Epithese ist der behandelnde Arzt ein wichtiger Ansprechpartner für uns. Alle funktionellen Eigenschaften, die Epithesenbefestigung und viele weitere Details werden eng abgestimmt.


Kostenübernahme durch die Krankenkassen

Die Kostenübernahme für eine epithetische Versorgung durch die gesetzlichen Krankenkassen folgt einem strukturierten Prozess, bei dem wir die Patienten umfassend unterstützen. Da Epithesen als anerkannte medizinische Hilfsmittel gelten, übernehmen die Versicherungen im Regelfall die Kosten für die Versorgung samt notwendigem Zubehör.

1. Ärztliche Verordnung (Rezept)

Der Prozess beginnt mit einem ärztlichen Rezept. Bei Erstversorgungen wird dieses meist am Ende eines stationären Aufenthalts (z. B. nach einer Tumoroperation oder einem Unfall) vom Krankenhaus im Rahmen des Entlassmanagements ausgestellt. Für Folgeversorgungen stellt der behandelnde Facharzt die Verordnung aus.

2. Kostenvoranschlag und Genehmigung

Mit dem Rezept wenden Sie sich an uns als Epithetiker. Wir erstellen einen detaillierten Kostenvoranschlag, der zusammen mit der Verordnung zur Prüfung der medizinischen Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit an die Krankenkasse weitergeleitet wird. Wir unterstützen Sie aktiv bei der gesamten Abwicklung mit den Kostenträgern. Erst nach der Genehmigung durch die Kasse beginnt die eigentliche Anfertigung der Epithese.

3. Umfang der Kostenübernahme

  • Regelfall: Die Krankenkassen übernehmen in der Regel 100 % der vertraglich vereinbarten Kosten.
  • Gesetzliche Zuzahlung: Patienten müssen aufgrund gesetzlicher Vorgaben meist eine Zuzahlung leisten, die in der Regel 10 Euro je Epithese beträgt.
  • Berufsunfälle: Wenn ein anerkannter Berufsunfall die Ursache ist, übernimmt die zuständige Berufsgenossenschaft alle Kosten ohne Zuzahlung für den Patienten.
  • Mehrkosten: Diese entstehen nur dann, wenn sich Patienten bewusst für eine Versorgung entscheiden, die über das medizinisch notwendige Maß hinausgeht.

4. Dauer- und Folgeversorgung

Da Silikonepithesen durch Umwelteinflüsse altern oder sich die anatomische Situation verändern kann, ist im Allgemeinen alle zwei Jahre eine Neuanfertigung notwendig. Auch diese Folgeversorgungen werden bei entsprechender Begründung (Verschleiß oder Defektveränderung) von den Kassen übernommen. Für Verbrauchsmaterialien wie Kleber oder Reinigungsmittel können zudem langfristige Genehmigungen (bis zu einem Jahr) erteilt werden.

Wir bieten hierzu eine umfassende Beratung an, um die individuellen Ansprüche gegenüber Krankenkassen, Unfallkassen oder Versorgungsämtern zu klären.


Anpassung und Epithesenfertigung Schritt für Schritt

1. Das Erstgespräch und die individuelle Planung

Jede Versorgung beginnt mit einer umfassenden persönlichen Beratung. In diesem Gespräch analysieren wir Ihre anatomische Situation und besprechen Ihre Wünsche bezüglich Ästhetik und Funktion. Wir klären ab, welche Befestigungsmethode (z. B. Magnetverankerung, Klebung oder Brillenfixierung) für Ihren Lebensstil am besten geeignet ist.

2. Die präzise Abformung (Negativform)

Sobald die Wundheilung oder nachfolgende Therapien (wie Bestrahlungen) abgeschlossen sind, erfolgt die Abformung des Defekts. Wie beim Zahnarzt nehmen wir einen präzisen Abdruck mit hautverträglichen Materialien wie Silikon oder Alginat. Ingo Greiner nutzt hierbei traditionelle handwerkliche Methoden, um jede kleinste Kontur Ihres Gesichts exakt zu erfassen.

3. Die künstlerische Modellation in Wachs

Auf Basis des Abdrucks modelliert Ingo Greiner das fehlende Organ händisch in Wachs.

  • Symmetrie: Bei einer Ohrepithese oder Augenepithese orientieren wir uns spiegelbildlich an Ihrem gesunden Organ.
  • Detailtreue: Wir bilden feinste Fältchen, Poren und charakteristische Merkmale nach, damit die Epithese Ihren natürlichen Ausdruck perfekt wiedergibt.
  • Anprobe: Das Wachsmodell wird direkt an Ihrem Gesicht anprobiert, um Passform und Symmetrie zu perfektionieren.

4. Herstellung aus medizinischem Silikon

Das Wachsmodell wird in eine Gipsform eingebettet, in welcher die endgültige Epithese aus medizinisch graduiertem Silikon gegossen und vulkanisiert wird. Wir verwenden Silikon, da es:

  • angenehm weich und flexibel ist.
  • die Körperwärme schnell annimmt.
  • durch verschiedene Shore-Härtegrade (z. B. weiche Ränder für unsichtbare Übergänge, fester Kern für Stabilität) individuell eingestellt werden kann.

5. Farbliche Individualisierung und „Finishing“

Im Beisein des Patienten erfolgt die finale farbliche Gestaltung. Das Silikon wird in mehreren Schichten so pigmentiert, dass es exakt Ihrem individuellen Hautteint entspricht. Um die Illusion der Echtheit zu vollenden, werden feinste Äderchen aufgemalt und Naturhaare für Wimpern, Augenbrauen oder Bartansätze einzeln eingestochen.

6. Eingliederung und Einweisung

Nach der Fertigstellung setzen wir die Epithese gemeinsam ein. Wir überprüfen den sicheren Halt sowie – bei Versorgungen wie der Gaumenepithese oder Tracheaepithese – die Wiederherstellung wichtiger Funktionen wie Sprechen, Atmen und Schlucken. Sie erhalten eine ausführliche Einweisung in die Handhabung, Reinigung und tägliche Pflege.

7. Langfristige Betreuung und Nachsorge

Unsere Betreuung endet nicht mit der Übergabe. Wir führen regelmäßige Qualitätskontrollen durch (spätestens alle 9 Monate), um den Sitz und den Zustand des Materials zu prüfen.

  • Erneuerung: Da Silikon altert und sich verfärbt (z. B. durch UV-Licht oder Nikotin), ist in der Regel alle zwei Jahre eine Neuanfertigung notwendig.
  • Saisonale Anpassung: Auf Wunsch fertigen wir eine Sommer- und Winterepithese an, um dem unterschiedlichen Bräunungsgrad Ihrer Haut gerecht zu werden.

Für ein patientengerechtes Ergebnis

Nur hochqualitative Epithesen können Ihren individuellen Bedürfnissen vollständig gerecht werden. Die Anpassung und Fertigung von Epithesen erfordert die entsprechende vertiefte anatomische Kenntnis, eine kunsthandwerkliche Ausbildung, äußerst präzises Arbeiten – und am besten viele Jahre epithetische Erfahrung.

Logo der Zertifizierungsstelle VQZ Bonn

Nicht zuletzt aus Gründen der Qualitätssicherung können nur die Epithetiker abrechnungsfähige Vertragspartner der Krankenkassen werden, die die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen. Ingo Greiner Zentrum für Epithetik ist seit vielen Jahren präqualifizierter Partner der Krankenkassen für die epithetische Versorgung. Dies ist durch die VQZ Bonn zertifiziert.


Vielfalt der epithetischen Versorgungen

Jede Epithese ist eine gemäß EU-MDR zertifizierte Sonderanfertigung, die exakt auf Ihre Anatomie abgestimmt wird. Wir bieten spezialisierte Lösungen für folgende Bereiche an:

  • Nasenepithese: Vollständiger oder teilweiser Ersatz der Nase.
  • Ohrepithese: Ästhetische Wiederherstellung der Ohrmuschel, auch bei Mikrotie.
  • Augenepithese (Orbitaepithese): Ersatz des Augapfels und der umgebenden Lider.
  • Gesichtsepithese: Versorgung großflächiger Defekte an Wangen oder Stirn.
  • Tracheaepithese: Individuelle Abdichtung für Tracheostoma-Patienten.
  • Gaumenepithese (Obturator): Wiederherstellung von Sprache und Schluckfunktion.
  • Speiseröhrenepithese: Schutz und Verschluss komplexer Fisteln.
  • Nasenscheidewandepithese: Individuelle Septum-Buttons bei Perforationen.