Epithesen bei Kindern und Jugendlichen
Schon für Erwachsene sind Defekte im Bereich des Gesichtes, die das Tragen einer Epithese notwendig machen, eine ungeheure seelische (und auch körperliche) Belastung. Aber wie katastrophal ist das erst für Kinder und Jugendliche, die plötzlich ein ganzes Leben mit Epithese vor sich haben?
Das Verhältnis von Kindern und Jugendlichen zu ihrem eigenen Körper ist oft enorm fragil. Wenn diese jungen Menschen durch Erkrankungen, Verletzungen oder angeborene Fehlbildungen zu Epithetik-Patienten werden, dann kämpfen wir als Epithetiker sprichwörtlich wie ein Löwe für sie.
Im Zentrum für Epithetik Ingo Greiner wissen wir, dass die Versorgung junger Patienten weit mehr erfordert als nur handwerkliche Präzision. Es bedarf eines tiefen Verständnisses für die seelische Verarbeitung der gesamten Familie sowie spezieller medizinischer Techniken, die Rücksicht auf den noch wachsenden Körper nehmen. Gleichzeitig erfordert die Abstimmung einer qualitativ hochwertigen Versorgung mit den Kostenträgern oft Nachdruck und Erfahrung.
Seelische Verarbeitung: Die jungen Patienten im Mittelpunkt
Wenn Kinder mit einem sichtbaren Defekt geboren werden oder diesen später durch Erkrankung oder Verletzung erleiden, ist die psychologische Dynamik hochkomplex.
- Der Wunsch der Eltern: Mütter und Väter leiden nicht selten unter starken Schuldgefühlen und fordern aus diesem emotionalen Druck heraus oft ein möglichst frühzeitiges und eher aggressives medizinisches Vorgehen.
- Der Respekt vor den jungen Patienten: Wir behandeln die Kinder bzw. die Jugendlichen, nicht die Eltern. Wir stellen unsere Behandlungsansätze – in enger Kooperation mit den behandelnden Ärzten – immer auf das Wohl des Patienten ab. Die soziale, psychische und medizinische Situation unseres Patienten ist die klare Richtschnur. Wenn es sich vor diesem Hintergrund vermeiden lässt, sollte eine endgültige, implantatgetragene Versorgung erst erfolgen, wenn Kinder alt genug sind, um bei dieser Entscheidung mitzuwirken.
- Schonende Übergangslösungen: Um in dieser Wartezeit dennoch eine optische Rehabilitation zu ermöglichen, stellt eine mit medizinischem Hautkleber fixierte Klebeepithese eine hervorragende vorübergehende Lösung dar.
- Herausforderungen im Schulalltag: Die Situation im Schulalltag ist uns bewusst, Kinder und Jugendliche können im gegenseitigen Umgang grausam sein. Wir tun alles, um das Selbstwertgefühl unserer jungen Patienten epithetisch – und auch persönlich – zu schützen bzw. aufzubauen. Epithese helfen, Hänseleien zu vermeiden und Isolation vorzubeugen.
Medizinische Besonderheiten: Rücksicht auf das Schädelwachstum
Der kindliche Körper wächst und verändert sich kontinuierlich. Eine epithetische Dauerversorgung muss diese anatomischen Entwicklungen zwingend berücksichtigen.
1. Wachstumsgerechte Magnetverankerung
Knochenverankerte Epithesen bieten den sichersten Halt, bergen bei Kindern jedoch spezielle Herausforderungen. Suprastrukturen, die das Schädelwachstum hemmen könnten (wie etwa Steg- oder Kugelkopfverankerungen), sind im Gesichtsbereich von Kindern strengstens kontraindiziert. Um das natürliche Knochenwachstum nicht zu blockieren, setzen wir stattdessen ausschließlich nicht knochenwachstumshemmende sphärische Magnete zur Befestigung auf den Titanimplantaten ein.
2. Strategische Implantatpositionierung
Bei angeborenen kindlichen Fehlbildungen (z. B. am Ohr) wählen wir die Positionierung der Implantate oft bewusst weiter hinten (dorsal) im haartragenden Teil des Kopfes. Dies kann zwar das epithetische und ästhetische Endergebnis minimal beeinträchtigen, bewahrt dem Kind jedoch alle Optionen für einen späteren plastisch-chirurgischen Wiederaufbau durch körpereigenes Gewebe im Erwachsenenalter.
Alltag, Spiel und Akzeptanz
Kinder wollen spielen, toben und Sport treiben. Früher lösten sich die verwendeten Materialien (wie Gelatine) bei Schweißbildung oder beim Baden schnell auf. Heute verwenden wir extrem widerstandsfähiges, körperwarmes medizinisches Silikon, das den Anforderungen eines aktiven Kinderalltags mühelos standhält.
Um die Akzeptanz von medizinischen Hilfsmitteln (wie Beatmungsmasken oder speziellen Epithesen) bei den kleinsten Patienten zu fördern, arbeiten wir auf Wunsch auch mit kindgerechten Designs: Vielfarbiger Glitter sowie Tier-, Märchen- oder Sportmotive können integriert werden, um dem Hilfsmittel den Schrecken zu nehmen.
Kostenübernahme und Betreuung
Da sich der kindliche Körper durch das natürliche Wachstum ständig verändert, müssen die epithetischen Versorgungen engmaschiger kontrolliert und regelmäßig erneuert werden als bei Erwachsenen.
Epithesen sind als medizinische Sonderanfertigungen anerkannte Hilfsmittel. Die Kosten für die Erstversorgung sowie die wachstumsbedingten Neuanfertigungen werden in der Regel zu 100 % von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen. Das Team von Ingo Greiner unterstützt Familien aktiv bei allen bürokratischen Schritten.

Lassen Sie sich beraten
Nutzen Sie unsere Epithesen-Sprechstunden in ganz Deutschland. Gerne kommen wir auch zu Ihnen. Terminvereinbarung unter 0431 6666 8640 oder info@ingo-greiner.de.
Häufige Fragen zu Epithesen bei Kindern und Jugendlichen
Ab welchem Alter ist eine Epithese bei Kindern sinnvoll?
Dies hängt stark von der psychischen und sozialen Belastung ab. Generell empfehlen wir, größere Eingriffe (wie das Setzen von Implantaten) aufzuschieben, bis das Kind alt genug ist, um selbst mitzuentscheiden. Bis dahin kann eine Klebeepithese verwendet werden.
Hemmen die Implantate das Kopfwachstum meines Kindes?
Nein, wenn sie fachgerecht ausgeführt werden. Wir verwenden bei Kindern ausschließlich nicht knochenwachstumshemmende sphärische Magnete, da starre Stege oder Kugelköpfe das Schädelwachstum behindern würden und daher kontraindiziert sind.
Nimmt eine Epithese meinem Kind die Chance auf eine spätere plastische Operation?
Nein. Durch eine clevere, weiter dorsal (Richtung Hinterkopf) gelegene Positionierung der Implantate im haartragenden Bereich stellen wir sicher, dass das Gewebe für einen eventuellen späteren plastisch-chirurgischen Wiederaufbau unberührt bleibt.
Kann mein Kind mit der Epithese toben und Sport machen?
Ja. Modernes medizinisches Silikon ist sehr robust. Dank der sphärischen Magnetverankerungen sitzt die Epithese sehr sicher. Lediglich bei starkem Kontaktsport oder nachts sollte sie abgenommen werden.
Zahlt die Krankenkasse die häufigeren Neuanfertigungen bei Kindern?
Ja, da die Neuanfertigungen aufgrund des körperlichen Wachstums medizinisch notwendig sind, übernehmen die Krankenkassen in der Regel die vollständigen Kosten für die regelmäßige Erneuerung.